So manche Mitglieder werden sich noch an den 17. März 1987 im Jugendheim der Katholischen Gemeinde St. Petrus Canisius erinnern.
Mit Unterstützung von Dr. Edmund Boda, der damaligen Geschäftsführer und Gründer der Dritte Welt Partner GmbH Ravensburg, welcher auf Einladung von Jos de Both, damaliger Leiter des Katholischen Bildungswerkes, anwesend war, würde unsere Satzung mit dem Ziel, der Idee des Fairen Handels wieder einen Laden zu geben, einstimmig verabschiedet.
Doch wie kam Mann und Frau dazu, einen entwicklungspolitischen Verein zu gründen?
Bereits seit dem Jahr 1969 gab es einen "ökomenischen Arbeitskreis Dritte Welt", der verschiedene politische Aktionen durchführte, sowie seine Verkaufsstände zu den entsprechende Anlässen aufbaute. Im Monat Mai 1972 eröffnete der Arbeitskreis einen "Dritte Welt Laden" in Form einer Garage an der Uferpromenade. Im Laufe der Jahre wechselte der Weltladen an verschiedene Stellen der Stadt. Zuletzt mußte er 1982 im alten Pfarrhaus von St. Nikolaus seine Pforte schließen, um einer Neubebauung zu weichen. An diesem Ort bewirtet seitdem der Spitalkeller seine Gäste. Vielleicht ist es ein gutes Zeichen, dass wir 1997 wieder in unmittelbare Nachbarschaft zurückgekehrt sind ...? In der Zeit von 1982 bis 1987 war es ruhig um die ehemals Engagierten. Wahrscheinlich wurde die Zeit zur Sammlung genutzt, um einen neuen Anfang zu wagen.
Doch bleiben wir vorerst in den Jahren 1987 bis 1990. Die Jahre gingen ins Land und wir trafen uns regelmäßig in unserem damaligen Vereinsdomizil im Haus der Vereine, auch Spektrum genannt, und planten, suchten, redeten über und träumten vor allem von einem eigenen, gut gelegenen und sehr kostengünstigen Ladenlokal. Nebenbei wurden fleißig auf Bazaren, dem Häfler Weihnachtsmarkt, vor den Kirchen und "unter der Hand" unsere Waren Kaffee, Tee, Honig und Diverses verkauft. 1988 waren wir Mitveranstalter bei den vom Nord-Süd-Forum durchgeführten Afrika-Tagen, genauso wie 1989 bei den Lateinamerika-Tagen. Hunderte strömten in dieser Zeit in das Zelt am See und interessierten sich für Kulturelles und Kulinarisches aus fernen Ländern sowie entwicklungspolitische Themen.
Dann endlich, im Sommer 1991, haben wir in der Werderstraße 5 in Friedrichshafen gefunden, was wir seit 1987 suchten. Für die ersten Gehversuche als Einzelhändler in der Fair-Handel-Branche stellte uns Josef Brugger für wenig Mietzins ein doch recht ansehnliches Ladengeschäft zur Verfügung. Daher konnten wir ohne großes finanzielles Risiko unseren Handel aufbauen. Wegweisend war für uns in der Stadt auch Marianne Behr, die in Fischbach bereits seit April des selben Jahres einen "Eine Welt Laden" in Eigenregie eröffnete, um unsere Arbeit zu unterstützen.
1994 folgte dann die Umbenennung: statt "Verein Dritte Welt" wollten wir uns fortan "Verein Eine Welt" nennen: Der Name "Eine Welt" symbolisiert unserer Meinung nach in geeigneter Weise die partnerschaftlich gleichberechtigte Verbundenheit mit den Entwicklungsprojekten, aus denen unsere Produkte stammen.
Ende 1996 war es dann sicher: Wir bekommen eine einmalige Chance! Die Katholische Gesamtkirchenpflege bot uns im Herzen der Stadt neben der St. Nikolauskirche ein Ladenlokal zu günstigen Mietkonditionen an. Von Januar bis März 1997 wurde das neue Ladenlokal in der Schanzstraße 4 in Eigenarbeit renoviert. Gleiches galt für die darüberliegende dazugehörende Wohnung. Endlich, am 7. Juni 1997, ist es geschafft!! Wir können einen wunderschönen Laden in Topverkaufslage eröffnen. Der Verein Eine Welt und seine Mitglieder sind stolz darauf.